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Die Staufer-Kaserne in Pfullendorf ist nicht unbekannt. In den vergangenen Jahren wurde von erniedrigenden Ritualen, Mobbing und sexistischen oder rassistischen Übergriffen berichtet. Im November 2018 tauchten Berichte über ein 200 Personen
umfassendes rechtes Netzwerk im Umfeld der Bundeswehr auf, das Waffenlager anlegt und sich auf die Ermordung politischer Gegner*innen vorbereitet. Zahlreiche Angehörige dieses Netzwerks sind Elitesoldat*innen des Kommando Spezialkräfte, die u.a. in Pfullendorf ausgebildet wurden.
Die Verteidigungsministerin war dazu genötigt ein hartes Durchgreifen vorzuspielen, um den hart erarbeiteten Ruf einer modernen und attraktiven Bundeswehr nicht zu gefährden.
Dieses Jahr will die Bundeswehr ihre Skandalkaserne wohl gänzlich aus dem Dreck ziehen: Am Tag der Bundeswehr stehen die Kasernentore „offen“ für ein Publikum und eine Presse,
die man mit Showeffekten und Freizeitpark-Atmosphäre für die ganze Familie bezirzen will. Vor allen Kindern will man als kleine Soldat*innen gewinnen, sie dürfen Militärgerät besteigen,
wie das Klettergerüst auf einem Spielplatz. Vielleicht vergessen ja alle darüber, dass am selben Ort unzählige junge Menschen gequält
wurden. Vielleicht vergessen auch alle, wozu die Bundeswehr überhaupt da ist. Vergessen die Kriege, in denen täglich Menschen massakriert werden – auch Made in Germany. Vergessen, dass der Militärhaushalt jährlich mehr Milliarden verschlingt, während Pflege, Bildung und Kommunen mit den letzten Cent abgespeist werden. Vergessen den einzigen Zweck der Militäreinsätze: Die wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen deutscher Konzerne durchzusetzen.
Das können wir nicht zulassen! Deshalb gilt es am 15. Juni ebenfalls in Pfullendorf zu sein und daran zu erinnern, dass das „Geschäft“ der Bundeswehr ein blutiges ist. Klar zu machen, dass die Bundeswehr weder Mitten in der Gesellschaft steht, noch ein attraktiver Arbeitgeber ist.
Bundeswehr steht für Töten,Trauma,Tod.
Wir fordern Milliarden für Soziales statt fürs Militär!
Beteilige auch Du Dich an den Gegenprotesten! Aus zahlreichen Städten in BaWü gibt es eine Anfahrt.

Es wird eine Anreise per Bus aus Tübingen und Stuttgart geben. Wenn ihr an Tickets interessiert seid, meldet euch bei der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen (imi@imi-online.de), beim Linken Zentrum Lilo Hermann in Stuttgart (Böblinger Str. 105) oder bei der DFG-VK Stuttgart (Werastr. 10).

Mit Hunderten von Reklameterminen bundesweit versucht die Bundeswehr auch im zweiten Quartal, auf öffentlichen Plätzen und in Schulen und Klassenzimmern neue Rekruten anzuheuern und für den Aufrüstungskurs der Bundesregierung Stimmung zu machen. Auch in Baden-Württemberg sind etliche Termine dabei, die zu Protesten einladen. Darunter sind auch etliche Veranstaltungen, die sich gezielt an Minderjährige richten.

Die Termine in durchsuchbaren excel-Terminen gibt es hier:

Anlässlich des Girls‘ Day hat ein neues Bündnis mehrerer Organisationen am 28. März die Werbung der Streitkräfte bei Schülerinnen für den Beruf der Soldatin und die Rekrutierung Minderjähriger in Deutschland scharf kritisiert. Unter Überschriften wie „Ein Tag als Soldatin“ oder „Attraktive Uniformen“ werben über 100 Einrichtungen der Bundeswehr für mehr als 3.600 Angebote zum bundesweiten Tag der Berufsorientierung für Mädchen ab der fünften Klasse. 2018 hat die Bundeswehr 1679 minderjährige Soldaten eingestellt, darunter 313 Mädchen. Dagegen protestiert die heute gestartete Kampagne „Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“, in der sich dreizehn Friedens-, Kinderrechts-, Bildungs- und kirchliche Organisationen zusammengeschlossen haben.

„Die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie jeder andere. Das muss bei der Berufsorientierung junger Mädchen rüber kommen“, unterstrich Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Schule. „Bereits 15-jährige Mädchen werden für einen Beruf umworben, der viele Risiken mit sich bringt von Traumatisierungen bis hin zum Tod“, sagte Hoffmann. Mögliche persönliche Folgen würden bei diesen Angeboten ebenso verharmlost wie die verheerenden Auswirkungen von Kriegen für die Zivilbevölkerung. „Diese Desinformation junger Menschen muss beendet werden. Das Vorgehen lehnen wir aus politischen, pädagogischen und kinderrechtlichen Gründen ab“, betonte die GEW-Schulexpertin.

„Jedes Jahr kommt es bei der Bundeswehr zu schweren Rechtsverstößen und Kinderrechtsverletzungen“, sagte Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte beim Kinderhilfswerk terre des hommes. „So waren in den Jahren 2017 und 2018 minderjährige oder gerade volljährig gewordene Soldatinnen und Soldaten bei der Bundeswehr von sexualisierten Ritualen, sexueller Belästigung und Vergewaltigung betroffen. Bei Bundeswehrübungen kam es zudem zu schweren Verletzungen und Todesfällen von Soldatinnen und Soldaten. Das zeigt: Eine Armee ist kein Platz für Kinder und Jugendliche! Wir fordern die Bundesregierung auf, die Rekrutierung von minderjährigen Soldatinnen und Soldaten sofort einzustellen, die militärische Werbung bei Schülerinnen und Schülern zu beenden und die Kinderrechte zu schützen und einzuhalten“.

Auch die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) monierte die Praxis der Rekrutierung Minderjähriger. „Es ist skandalös, dass die deutsche Armee seit 2011 11.500 Minderjährige an der Waffe ausgebildet hat“, stellte Michael Schulze von Glaßer, politischer Geschäftsführer der DFG-VK, fest. Etwa ein Fünftel der jungen Menschen seien in den letzten beiden Jahren Mädchen gewesen. „Die zunehmende Zahl Minderjähriger beim Militär ist Folge der massiven Werbung in Schulen, Arbeitsagenturen, auf Messen, im Internet und im Rahmen von Angeboten der Berufsorientierung wie dem Girls‘ Day. Dieser Militarisierung öffentlicher Räume wollen wir Einhalt gebieten“, so Glaßer.„Die Praxis der Rekrutierung Minderjähriger ist unnötig und nicht zeitgemäß“, sagte Philipp Ingenleuf für das Netzwerk Friedenskooperative, das ebenfalls zu den Mitgründern des Bündnisses gehört. Deutschland gehöre zu einer kleinen Minderheit von UN-Staaten, die Minderjährige immer noch für das Militär rekrutieren. „Damit steht die Bundesregierung in Widerspruch zu ihrem Schutzauftrag gegenüber Minderjährigen und macht sich bei der internationalen Ächtung des Einsatzes von Kindersoldaten unglaubwürdig“, hob Ingenleuf hervor. Auch Deutschland müsse sich bei der Rekrutierung von Soldaten endlich an den internationalen „18-Jahres-Standard“ halten.

Zur Information:
Die Träger der Kampagne „Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“ werden sich in den kommenden Jahren durch Aktionen, Informations- und Lobbyarbeit für die Anhebung des Rekrutierungsalters für den Militärdienst auf 18 Jahre sowie für ein Verbot von Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen engagieren. Siehe auch

www.unter18nie.de
Acht Kultusministerien haben mit der Bundeswehr eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, die den Zugang von Jugendoffizieren in den Unterricht, in Ausbildungsveranstaltungen von Lehrkräften oder exklusive Informationsmöglichkeiten für die Bundeswehr regeln.

Die Jugendoffiziere der Bundeswehr haben 2017 mehr als 122.000 Schülerinnen und Schüler er-reicht. Weitere über 111.000 Schülerinnen und Schüler haben über Beratung und Vorträge von Karriereberatern Kontakt zur Bundeswehr gehabt. Der Etat für die Nachwuchswerbung der Bun-deswehr lag 2017 bei 35,2 Millionen Euro. Allein für die Produktion und Bewerbung der youtube Serie „Mali“ hat das Verteidigungsministerium 6,5 Millionen Euro ausgegeben.

Für Rückfragen:

  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft – Hauptvorstand, www.gew.de; Kontakt: Ilka Hoffmann, Tel. 069 / 789 73-324, ilka.hoffmann@gew.de
  • Terre des hommes, www.tdh.de; Kontakt: terre des hommes-Pressestelle, Tel. 0541 / 7101-126, presse@tdh.de
  • DFG-VK Bundesverband, www.dfg-vk.de; Kontakt: Michael Schulze von Glaßer, Tel. 0176 / 235 75 236, svg@dfg-vk.de
  • Netzwerk Friedenskooperative, www.friedenskooperative.de; Kontakt: Philipp Ingenleuf, Tel.: 0228/ 692904, p.ingenleuf@friedenskooperative.de

Weitere Träger der Kampagne „Unter 18 nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“

  • GEW-Landesverband Hessen, www.gew-hessen.de
  • GEW-Landesverband Baden-Württemberg, www.gew-bw.de
  • GEW-Landesverband Nordrhein-Westfalen, www.gew-nrw.de
  • DFG-VK Baden-Württemberg https://bawue.dfg-vk.de
  • IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs – Ärzte in sozialer Verantwortung), www.ippnw.de
  • Ohne Rüstung Leben, www.ohne-ruestung-leben.de
  • Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW, www.zentrum-oekumene.de
  • pax christi – Deutsche Sektion, www.paxchristi.de
  • Bündnis „Schulfrei für die Bundeswehr. Lernen für den Frieden!“, www.schulfrei-für-die-bundeswehr.de

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